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Das Ende einer Ära: Die Debitkarte überholt erstmals das Bargeld

Die neue Rangordnung beim Bezahlen

Wahlfreiheit als neue Normalität

Deutschland hinkt hinterher

Das Smartphone erobert die Kassen

Skepsis bei Echtzeitüberweisungen

Die digitale Brieftasche der Zukunft

Fazit: Eine Nation im Wandel

Das Ende einer Ära: Die Debitkarte überholt erstmals das Bargeld

In Deutschland vollzieht sich eine stille Revolution an der Ladenkasse. Zum ersten Mal in der Geschichte bevorzugen mehr Menschen die Debitkarte als das gute alte Bargeld – ein Meilenstein, der das veränderte Bezahlverhalten einer ganzen Nation widerspiegelt.

 

Die neue Rangordnung beim Bezahlen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 38 Prozent der Deutschen nennen die Debitkarte als ihr bevorzugtes Zahlungsmittel, gefolgt von Bargeld mit 27 Prozent und dem Smartphone mit 23 Prozent. Diese Ergebnisse stammen aus dem aktuellen Visa Payment Monitor, für den im September 2025 rund 1.800 Menschen in Deutschland befragt wurden.

Besonders bemerkenswert: Bei der tatsächlichen Nutzung liegen Debitkarte und Bargeld mittlerweile gleichauf – jeweils 83 Prozent greifen regelmäßig darauf zurück. Doch die Rolle des Bargelds hat sich grundlegend gewandelt. Fast die Hälfte der Befragten trägt nur noch für den Notfall Bargeld bei sich – für den Fall, dass digitales Bezahlen nicht möglich ist. Und wenn Bargeld mitgeführt wird, dann meist in bescheidenen Mengen: Jeder Zweite hat weniger als 50 Euro im Portemonnaie.

 

Wahlfreiheit als neue Normalität

Die Menschen in Deutschland haben eine klare Erwartung: Sie wollen selbst entscheiden können, wie sie bezahlen. Ganze 87 Prozent begrüßen die Pläne der Bundesregierung zur Wahlfreiheit beim Bezahlen, die vorsehen, dass neben Bargeld immer mindestens eine digitale Option verfügbar sein soll. 71 Prozent wünschen sich explizit, überall mit Karte oder Smartphone zahlen zu können.

Die Konsequenzen für Händler sind spürbar: Jeder Fünfte meidet bewusst Geschäfte, die nur Barzahlung akzeptieren. Bei den Unter-35-Jährigen ist es sogar fast jeder Dritte. Eine deutliche Botschaft an den Einzelhandel.

 

Deutschland hinkt hinterher

Trotz der wachsenden Nachfrage ist Deutschland bei der Infrastruktur für digitales Bezahlen noch immer im Rückstand. Mit nur 18 Bezahlterminals pro 1.000 Einwohner liegt die Bundesrepublik weit hinter Ländern wie Polen, wo es doppelt so viele sind. Zwar nehmen die Verbraucher positive Entwicklungen wahr – kleinere Geschäfte, Wochenmärkte und Cafés bieten häufiger digitale Bezahlmöglichkeiten an als noch vor einem Jahr. Doch der Aufholbedarf bleibt erheblich.

 

Das Smartphone erobert die Kassen

Ein besonders dynamischer Trend ist das Bezahlen mit dem Smartphone. Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich die Nutzung mehr als verdoppelt: Während 2020 nur 12 Prozent gelegentlich mit dem Handy bezahlten, sind es heute bereits 32 Prozent. 23 Prozent bezeichnen das Smartphone sogar als ihr bevorzugtes Zahlungsmittel – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Die Generationenunterschiede sind dabei frappierend. Bei der Generation Z liegt das Smartphone mit 42 Prozent klar an erster Stelle, weit vor der Debitkarte mit 32 Prozent und Bargeld mit nur noch 18 Prozent. Insgesamt bezahlt mittlerweile mehr als ein Drittel der Befragten im Geschäft mobil – sei es mit dem Smartphone oder einem Wearable.

 

Skepsis bei Echtzeitüberweisungen

Nicht alle digitalen Bezahlformen stoßen auf uneingeschränkte Begeisterung. Bei Echtzeitüberweisungen äußert mehr als die Hälfte der Befragten Bedenken, da das Geld nicht zurückgebucht werden kann. 20 Prozent würden diese Zahlungsform gar nicht nutzen, weitere 36 Prozent nur bedingt. Mit steigendem Alter wächst die Skepsis.

Dennoch nutzt jeder Zweite Echtzeitzahlungen zumindest unregelmäßig – vor allem um Rechnungen schnell zu begleichen oder größere Beträge an Freunde und Familie zu überweisen.

 

Die digitale Brieftasche der Zukunft

Ein Blick in die Zukunft richtet die Studie auf die von der EU geplante digitale Brieftasche, die EUDI-Wallet. Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich vorstellen, diese zu nutzen – für Zahlungsfreigaben ebenso wie für digitale Identifizierungen. Die erwarteten Vorteile liegen auf der Hand: schnellere Online-Verifizierung und der Wegfall von Vor-Ort-Kontrollen.

Gleichzeitig bestehen Sorgen über mögliche Folgen von Geräteverlust, Diebstahl oder Defekten sowie Datenschutzbedenken. Die Akzeptanz wird davon abhängen, ob Komfort und Sicherheit überzeugend miteinander verbunden werden können.

 

Fazit: Eine Nation im Wandel

Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel der Bezahlkultur. Die Debitkarte hat das Bargeld als bevorzugtes Zahlungsmittel abgelöst, das Smartphone entwickelt sich rasant zur dritten Säule des Bezahlens. Die Verbraucher erwarten flächendeckende digitale Optionen und Wahlfreiheit – und sind bereit, Geschäfte zu meiden, die diese nicht bieten.

Für Händler, Banken und Politik bedeutet dies: Die Infrastruktur muss mit den Erwartungen Schritt halten. Nur so kann Deutschland den Anschluss an andere Länder halten und den Menschen die Bezahlerlebnisse bieten, die sie sich wünschen. Das Zeitalter des ausschließlichen Bargelds ist vorbei – willkommen in der Ära der Wahlfreiheit.